Kultur, Kultur!
Ihr Lieben, heute haben wir uns gesagt, dass Kultur sein muss, also haben alle ihr Metro geschnappt und sich aufs Rad geschwungen und sind zum Longhua Tempel gefahren. Laut Reiseführer einer der schönsten und größten der Stadt und vermutlich im 3. Jhdt n. Chr. gegründet. Leider im Kommunismus bzw. während der Kulturrevolution im letzten Jahrhundert stark beschäftigt worden, was sich vor allem auf zahlreiche Statuen bezieht, dafür aber jetzt wieder von ca 80 Mönchen bewohnt, übrigens Männer und Frauen und alle mit Handy! Mit 10Yuan Eintritt, also 1€ durfte man das große Tor betreten, und obwohl der Tempel mitten in der Stadt liegt hört man von Außen fast nichts – absolut entspannend. Innerhalb des Tempels fanden sich natürlich auch andere Touries wieder aber vor allem Gläubige drehten ihre Runden durch die einzelnen Gebäude und hinterließen Geld, Essen und Gebete. Ich bzw. wir dagegen haben alles mit Kameras bewaffnet bestaunt. Unglaubliche Mengen an goldenen Statuen in allen Größen waren aufgereiht. Überall roch es nach Räucherstäbchen. Gegen Mittag gab es das Angebot quasi mit den Mönchen Mittag zu essen, was da hieß sich für 80cent eine Nudelsuppe mit Tofu und verschiedenen Pilzen zu bestellen. Sehr, sehr lecker und sehr, sehr viel!
Nachdem wir auch die kleine Parkanlage mit den Schildkröten angeschaut hatten, war der Plan zum Märtyeredenkmal in der Nähe weiter zu ziehen. Dabei handelt es sich um eine riiiiesen künstlich und dementsprechend gepflegten Park mit verschiedenen Skulpturen und einem Mausoleum in Gedenken an die Opfer des Massakers von 1927, in dem die Kommunisten von „ich weiß nicht mehr wem“ niedergeschlagen wurden. Ziemlich brachial und nicht all zu schön. Aber bis 1995 seien noch namenhafte Opfer (Künstler, Literaten...) dorthin überführt worden.
Außerdem konnten Julia und ich live die Tierliebe der Shanghaier miterleben, als die Wachpolizisten wie wild mit einer Zeitung eine kleine Babykatze verjagten – eine ganz kleineeee! (Foto folgt). Am Schluss des Tages stand noch der Besuch einer Kathedrale mitten in einer Einkaufspassage auf dem Programm. Niedlich war sie, und in jeder Reihe ein riesiger Flatscrene, damit man auch ja alles gut verfolgen konnte. Wenn man sich vorstellt, dass diese Kirche mal zwischen all den kleinen Hütten hervor geragt hat – jetzt verschwindet sie in einem Lichter und Reklamemeer und ist umringt von 6 Kaufhäusern die jeweils 3mal so groß sind wir Karstadt oder ähnliches.
Natürlich haben wir uns auch das nicht entgehen lassen – wenn wir schon mal mitten drin stehen. Und nach einem, für hiesige Verhältnisse relativ teurem Starbucks Kaffee ist jeder seiner Shopping-wege gezogen. Und ich kann euch sagen, die Klamotten sind der Wahnsinn!! Aber leider auch die Größen.... das Grösste, was ich in den Häusern entdeckt habe, ist 40, was aber etwas kleiner ausfällt und außerdem der Schulterbreite der Chinesinnen angepasst ist – man fühlt sich in den schönsten Kleidern wie der Hulk! Dafür gibt es Schuhe, Schuhe, Schuhe! In allen Farben, Formen, Größen, Preisen! Meine Welt
Nach ca 2 Stunden war ich aber auch völlig fertig – völlig reizüberflutet. Wie diese Ecke gibt es noch einige Strassen, die einen echt stark an New York erinnern, mit ihrem Lichterglanz.
Am Samstag haben wir uns überlegt, das Uni-interne Schwimmbad mal auszuprobieren. Als wir dort ankamen sah es aber leider so aus, als sei es die letzten 3 Jahre schon geschlossen . aber Lydia hatte den Einfall, doch mal im „Crown Plaza“, dem Uni-internen 4Sterne Hotel nach zu fragen, ob sie ein öffentlich zugängliches Schwimmbad hätten. Das Ergebnis dessen war ein Luxusbad der Extraklasse! Eigener Bademantel und Schläppchen zur Begrüssung, großer Beautibereich, Dampfbad, Wirlpool, Pool und alles eben mit edel look und für etwa 20 Leute. Zudem wäre im Preis ein Fitnessstudio der aller besten Art eingeschlossen, sprich mit Fernsehern an den Geräten und Service am Platz usw. der Preis für all das, auch wenn man den ganzen Tag dort bleiben würde – 80yuan (8€)!!! Und das haben wir uns gegönnt!
Mit der Entspannung war er am Sonntag allerdings dann ganz schnell vorbei, als es darum ging, nach der Begrüssung und der Klasseneinteilung meine physical Examination überprüfen zu lassen. Nach etlichem Hick Hack und hin und her hatte ich das grosse Glück, dank einem Netten Chinesen auch ohne Mangelnder Wartenummer noch am gleichen Tag dran zu kommen und zwar nach 2 Stunden warten und bangen, da ich keine Ahnung hatte, ob es klappt und dann habe ich das heissersehnte Formular doch noch bekommen – das Allerletzte! Hinter mir standen noch ca weitere50 Wartende. Und ich hatte das Letzte!! Denn ich stand ca 5 Plätze hinter demjenigen mit der letzten vergebene Wartenummer! Alles in allem habe ich 4 Stunden damit verbracht meine deutsche Untersuchung nicht anerkannt zu bekommen (1min), mir Blut abnehmen zu lassen (2min) und mich eegen, ekgen, röntgen, sehtesten, farbtesten und abtasten (8min) zu lassen! Letzteres fand übrigens alles auf kleinstem Raum in einem umgebauten Bus statt. Der Hammer! 4 Stunden.... aber ich habe es geschaft!