Kong An Jie in der grossen Welt

Montag, Juli 02, 2007

Qingdao Teil II

Als uns das Wetter am nächsten Tag immer noch nicht besser gesonnen war, wurden wir mit Regenschirmen im Gepäck und FlipFlops an den Füssen – da fliesst dass Wasser schneller ab – von Moritz abgeholt, unserem „Einheimischer“ und „Tourguide“, abgeholt. Unser Weg führte zuerst eine kleine Marktgasse herunter, in denen Neben Gemüse und Obst auch kleine definier- und undefinierbaren Snacks verkauft wurden. Auch lebende Meerestierchen, Skorpione und Geflügel hätte man sich einpacken können. Und so gab es am ersten Tag „undefinierbar aber fitiert und davon bitte 300Gramm“ auf die Hand.
Weiter ging es zum Wahrzeichen bzw. dem Touristenspot Qingdaos: dem Pier Zhan Qiao. Wer je eine Flasche Qingdao in der Hand hatte, kennt diesen kleinen Pier mit dem Pavillion am Ende. Auch hier, dank Regen eher wenige Touristen aber trotzdem recht viele Händler, bei denen man kleine Schildkröten (lebend) oder Muschelketten (wahrscheinlich nicht lebend) kaufen konnte.

Nach kurzer Verhandlung mit einem Taxifahrer konnten wir zusammen, zu fünft, zu einem der Aussichtsplattformen Qingdaos fahren. Diese bestand aus drei roten Kugeln auf einem Hügel, wovon eine von innen zu Begehen war. Diese drehte sich dann auch noch, so dass wir gut auf Holzhöckerchen platziert einmal rund über Qingdao blicken konnten. Leider konnten wir, dank des Wetters nicht all zu weit blicken, aber was ein echter Shanghaier ist, kennt es ja nicht anders :)! Was wir aber sehen konnten, waren die roten Ziegeldächer zwischen den vielen Baumkronen - ein Bild, das der Stadt den Namen „Schweiz in China“ eingebracht hat. Von 1897 bis 1914 stand Qingdao unter deutscher Herrschaft, was man dem Stadtbild teilweise eben auch heute noch ansieht. Neben einer katholischen Kirche, roten Ziegeldächern und dem Abwasser-System gehört auch die berühmte Tsingtao-Brauerei zu den Relikten dieser Zeit. Das Tsingtao ursprünglich in deutscher Hand war, ist allerdings den wenigsten Chinesen bekannt – uns aber nicht. Also ging es am Sonntag Nachmittag mit dem Bus direkt vor die Tore der altehrwürdigen Brauerei und ab ins Biermuseum. Es gibt zwar Museen, die sicherlich liebevoller gestaltet wurden, aber das Verteilen von „Pröbchen“ und Abschiedsgeschenken (echten Tsingtao-Gläsern) stimmte uns dann doch recht fröhlich. Ein absolutes Highlight war eine kleine Hütte am Ende der Ausstellung, die so konzipiert war dass der Boden schräg die Decke und Wände aber gerade sind. So können Augen, wegen Ermangelung eines einheitlichen Horizontes, das ganze nicht mehr mit dem Gleichgewichtssinn über ein bringen. Der Effekt - man fühlt sich betrunken! Und zwar nüchtern – und das ganz ordentlich! Vor vier Uhr nachmittags.
Samstag Abend wurden wir von Moritz und seiner Mitbewohnerin Tina, die mir sehr zur Freude auch gern scharf isst, in ein großartiges Qingdaoer Lokal entführt und hinterher gleich in die Karaoke-Bar. Zu der wir es übrigens geschafft haben, ohne im örtlichen Baby-face zu landen :D.

Und wer in Qingdao ist, der muss auch den Strand gesehen haben. Dies sollte das erste Ziel für uns am Sonntag sein. Im schönen Stadtteil Badaguan (ehemals deutsch) gab es einen von 6 Bädestränden. Nachdem das Wetter immer noch nicht das Optimum aber immerhin keinen Regen mehr hervorbrachte, hatten wir auch wieder unsere Schirme im Gepäck. Nun ist es so, dass Chinesen und vor allem Chinesinnen ein wenig Angst haben, Farbe zu bekommen, denn „blass sein“ ist hier ein Schönheitsideal (welches ich ganz gut erfülle ;) ) und es gibt auch kaum eine Crème in der kein „whitening“ oder andere Bleiche mit beigefügt wurde. So sieht man also nicht nur bei kleinsten Regentropfen überall Schirme sondern auch im Sommer - als Schutz. Und als dann doch einige vorsichtige Sonnenstrahlen die Wolkendecke durchbrachen, waren natürlich auch wir ganz schnell dabei unsere Schirme umzufunktionieren. (siehe Bild)
Ein leckeres maritimes Abendessen mit weiterer Bierverkostung später wurde es dann auch langsam Zeit unsere Köfferchen und Rucksäcke zu packen und Richtung Flughafen zu fahren. Unser Taxifahrer unterließ es auch nicht, uns seine Künste auf allen Ebenen zu präsentieren. So heizte er trotz Sichtweite unter 20 Metern sportlichh über die Autobahn und hielt ebenfalls um dieser, um in Formel-1-fähigem Tempo den geplatzten Reifen zu wechseln. Trotz der kleinen Pause erreichten wir den Flughafen rechtzeitig um zu erfahren, dass unser Flug um mindestens 50 Minuten verschoben würde. Um 1 Uhr morgens kamen wir dann endlich im schwül-warmen Shanghai an und ich konnte um 3 dann endlich in mein Wohnheimsbettchen fallen.

Wer sich jetzt übrigens fragt, warum die Stadt nun Qingdao und das Bier Tsingtao heisst - der trinke davon doch bitte mal 2 oder 3 Tüten und versuche es dann nochmal klar auszusprechen.
Nein - es ist einfach die alte Deutsch Lateinumschrift.