Kong An Jie in der grossen Welt

Mittwoch, Juli 04, 2007

Eindrücke aus Shanghai

Gestern präsentierte sich mein Shanghai mitten in der Regenzeit in schönstem Sonnenschein und Temperaturen um die 27 Grad. Diese Regenzeit wird übrigens liebevoll „Pflaumenregenzeit“ genannt. Nicht etwa, weil das Klima besonders günstig für das züchten von Früchten wäre, sondern weil die Regentropfen so groß und heftig fallen, dass man ohne Schirm keine Chance hat - und Straßen innerhalb von Minuten überschwemmt werden. Dafür trocknet aber auch alles dank der Temperaturen hinterher genauso schnell. Denn nur weil es regnet, kühlt Shanghai sich noch lange nicht ab.
Ich nutze den Tag um noch einmal Katy zu besuchen und mich zu verabschieden und auch mein Zimmer weiter auszumisten und auszuräumen. Wirklich faszinierend, was man in nicht mal einem Jahr alles so sammeln kann. Außerdem frag ich mich immer noch, wann und vor allem ob ich den Kartoffelbreistampfer, den Apfelschneider oder den Schneebesen je benutzt habe…
Abends habe ich Charlotte zu einem Essen mit ihrem Englischschülern aus dem letzten Semester begleitet. Sie hatten sie (oder uns) zu einem berühmten kantonesischen Restaurant eingeladen. Wir wollten uns am Tor ihrer Uni, der Sportuniversität Shanghais treffen und weil wir zu früh waren (was man bei einem Treffen mit Chinesen eigentlich immer ist) konnte Charlotte mir noch ein bisschen den Kampus der 50 Jahre alten Uni zeigen. Das Verwaltungsgebäude präsentierte sich im klassischen, chinesischen Stil mit Holzschnitzereien und Bemalungen sowie den typischen Steindrachen an den Dächern. 2 Milliarden RMB habe man dafür investiert, wurde mir dann später von einem der Sportstudenten erklärt. Während unseres Spaziergangs ertönte auf einmal Marschmusik und neugierig, wie wir nun mal sind, sind wir dieser gefolgt. Zu eben dieser Marschmusik sahen wir dann ca. 1000 Studenten in Militäruniform auf dem Sportplatz aufmarschieren, die Fahnen schwenken und Übungen an der Waffe zeigend. Während die Mädchen vor allem Runde um Runde marschierten, blickten uns ein paar hundert uniformierte Chinesen mit Waffe in der Hand (wir haben arge Zweifel, dass das Attrappen waren) entgegen und stießen mit lautem Schrei in Reih` und Glied nach vorne.
So also wird die chinesische Armee ausgebildet. Jeder neue Student, „Ersti“ muss zu beginn seines Studiums einen Monat Militärtraining mitmachen. Das wir dabei, der Temperaturen wegen, schon im stehen schwitzten, sei Teil der Ausbildung. Denn wer bei 30 Grad im Schatten patroulieren kann, der kann das immer!