Hangzhou in den Mai-Ferien
In China gibt es drei mal im Jahr Urlaub für alle – einmal im Oktober eine Woche, einmal im Februar zum chinesischen Neujahrsfest und eine Woche im Mai – dem Tag der Arbeit gewidmet. Technisch bekommt man nur 3 Tage frei, aber wenn man die beiden anderen Werktage irgendwann anders ersetzt und zum Beispiel 7 Tage lang zur Uni und zum Praktikum geht, hat man eine ganze Woche zusammen.
Nach leichtem Unterschätzen der Reisefreudigkeit der Chinesen mussten Anja und ich schnell feststellen, dass unser Plan nach Guilin in den steinernen Wald wegen mangelnder Zugtickets verworfen werden würde. Dafür hatten wir uns zusammen mit Charlotte dann in Hangzhou, der „kleinen“ Stadt am See in eine kleine gemütliche Jugendherberge eingemietet und wollten dann später in der Woche von dort aus weiter fahren. Gut versteckt lag unser Hostel nur wenige Minuten vom See entfernt und während am Montag noch erträglich viele Leute unterwegs waren, reihten sich am Dienstag, dem eigentlichen Feiertag dutzende Busse und noch mehr Reisegruppen aneinander. Unseren Spaziergang um den See haben wir also dank schönstem Sonnenschein direkt am Anfang gemacht. Außerdem wollten wir uns gleich im Tickets für die Weiterfahrt besorgen. Vom Jugendherbergsmanager zur Busstation geschickt mussten wir wieder ins Taxi steigen um zur Ost-Bus-Station am anderen Ende der Stadt zu kommen. Die dortigen Menschenmengen lassen kaum Platz zur Beschreibung. Eine Ticketverkaufhalle in der Größe eines halben Fußballfeldes mit einem guten Dutzend Verkaufsschaltern war bis zum Bersten gefüllt. Überall Menschen und Menschen und noch mehr Menschen. Da Anja und ich aber noch weder Tickets zur Weiterfahrt, noch Rückfahrttickets nach Shanghai besaßen mussten wir uns erstmal anstellen. Zum Glück hatten wir einen echten Hauptgewinn mit unserer Unterkunft und Charlotte arrangierte am Telefon, dass sich sie Jugendherberge um unsere Tickets nach Shanghai kümmern würde. Da ja nur 3 Tage in Hangzhou geplant waren, wollten wir wenigstens noch einen Tag anhängen. Nun ist es aber nicht so einfach in einer vollkommen überfüllten Stadt auch nur noch ein Bett zu finden – ganz zu schweigen von zweien (Charlotte ist wie geplant am Mittwoch wieder abgereist). Aber auch hier – einfach Glück gehabt! Die Betten der JH waren erstaunlich geräumig und so bot uns der Manager an, ausnahmsweise eine Nacht zu zweit darin zu übernachten. Das Angebot nahmen wir natürlich gern an. Auch wenn wir etwas schmunzeln mussten, als uns mitgeteilt wurde, dass unsere Zimmergenossen alles Chinesen sein sollten. „Kuck mal, die Ausländer können sich nicht mal zwei Betten leisten“
Diese Sorge weniger ließ sich die Sonne im gemütlichen Innenhof auf der Schaukel gleich noch viel Besser genießen.
Für den zweiten Tag hatten wir geplant etwas weg vom Trubel in die Berge zu fahren. Wir wollten den Bus in Longjin-Tee-Dorf nehmen. Dieser kam leider nicht, aber mit dem Taxi war es dann auch eher spott billig, also alles kein Problem. Nur wenige Autominuten an den Menschenmassen vorbei zeigte sich, dass unsere Entscheidung die richtige war. Es wurde mit jedem Kilometer leerer. Schließlich im Bergdorf angekommen, ließen wir auch das zurück und folgten einem Wanderpfad vorbei an der Drachenquelle und einem scheinbar künstlich, neu angelegtem Feriendorf, aber noch sehr unbekannt. Weiter an dem Drachenquellfluss entlang konnten wir gut zwei Stunden spazieren gehen und haben nur eine Hand voll Menschen getroffen. Am Ende des Pfades trafen wir dann auf eine Art Gaststätte, die ihren Außenbereich so angelegt hatte, dass jeder Tisch durch Bambuspflanzen seine eigene Nische hatte. Gestärkt konnten wir dann weiter Richtung Hangzhou laufen.
Da Charlotte bereits an diesem Abend wieder Richtung Shanghai aufbrechen wollte, haben wir sie schon recht bald zum Bahnhof gebracht und uns den Rest des Tages gemütlich in den Innenhof der Jugendherberge gesetzt. Ein Büchlein in der Hand, eine Flasche auf dem Tisch, die Sonne im Gesicht und einen Schaukelstuhl unterm Hintern - so ließ sich das doch aushalten.
Als es dann langsam auf die Schlafenszeit zuging, waren wir schon recht gespannt, wen wir mit unserem Plan in einem Bett zu schlafen, erfreuen würden. Wie sich dann heraus stellte, war es ein Niederländer, der sich natürlich darüber freute, zwei deutsche Mädels im Zimmer zu haben. Und gegen Mitternacht folgten dann unsere beiden anderen Zimmergenossen, zwei Chinesen. Beide legten sich (nicht ohne genug Lärm zu machen) komplett angezogen ins Bett. Auch am nächsten Morgen (7Uhr) war ein Aufweckprogramm mit den beiden garantiert, da sie all ihr Gepäck in Plastiktüten untergebracht hatten - raschelraschel - und als sie dann festgestellt hatten, dass ich wach war und auch noch ein bisschen ihre Sprache verstehe, wurde die Chance gleich genutzt und lustig los erzählt. Soweit so gut - wenn sie nicht zwischendurch gefragt hätten, warum ich nicht schlafen würde?!?!
Naja, alles kein Problem. Wir hatten sowieso kein großes Programm für den Tag - spazieren und lesen. Was wir leider nicht eingerechnet hatten, waren wieder einmal die Uuunmengen an Landchinesen, die sich alle fünf Meter gegenseitig die Ellbogen in die Rippen stießen um auf uns aufmerksam zu machen “Laowai! Laowai!“ (Ausländer!) und ich denke, dass wir auch wieder in einigen Urlaubsfamilienalben verewigt sein werden (gefragt und vor allem ungefragt). Den Donnerstag haben wir dann auch recht gemütlich im Cafe verbracht, und bei 5 Stunden dort, meine ich das ganz wörtlich. Nachdem wir wieder zurück in der Jugendherberge waren, um unsere Rücksäcke einzusammeln wurden wir vom halben Personal (Manager, Dolmetscher, Area Manager) zum Bus begleitet, wobei wir ja eigentlich ein Taxi zum Bahnhof nehmen wollten. Und als sich nach und nach herauskristallisierte, dass das mit dem Taxi wegen der Ferien doch etwas schwieriger werden würde, wurden wir sogar mit Chefs Privat-Audi gefahren! J Ich denke, wir haben einen guten Eindruck hinterlassen - und wir kommen bestimmt noch mal wieder!


3 Comments:
schööööööön, neues von antje - mehr davon...
Hallo Saschi-Baschi
Mai ist wirklich eine wunderbare Zeit zu reisen.
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