Kong An Jie in der grossen Welt

Montag, Oktober 09, 2006

Bejing III

Mit dem Öffnen der Tore haben auch wir uns zur Kasse der verbotenen Stadt bewegt. Übrigens, wenn man von „englischen“ Reiseführern, bzw solchen, die dich durch diese Stadt führen wollen angesprochen wird, ist es ganz verwunderlich, dass keiner der Mitreisenden der englischen Sprache mehr mächtig ist... „verbotene Stadt“ übrigens deshalb, da dies die Residenz der Kaiser war, niemand, der nicht in der Stadt arbeitete durfte sie betreten. Allerdings durfte der Kaiser sie auch nicht verlassen. Dies hat zwei Dinge zur Folge: zum einen sehr hohe, verschlossene Mauern, die sich übrigens auf ganz Peking erstrecken – wir hatten alle den Eindruck, dass Peking unglaublich verschlossen und verborgen wirkte, und zum anderen hiess es, dass die Kaiser sich einen „goldenen Käfig“ erbauen liessen. Es durfte ja schliesslich an Nichts und am wenigsten an Schönheit fehlen. Da wir ja zuerst den Kohlehügel besichtigt hatten, betraten wir die Stadt nun von der Rückseite, also begannen wir mit der wunderschönen Gartenanlage aus uralten verwobenen Bäumen und Steinlandschaften.
Je weiter wir uns Richtung Haupteingang bewegten, vorbei an verschiedensten Palästen und durch bzw. über viele Durchgänge, umso voller wurde es und um so mehr Reisegruppen kamen uns entgegen. Deshalb hat sich das „Rückwärtsgehen“ schon allein gelohnt. Aber zum Glück ist es ja ein riesiges Areal.
Am anderen Ende angekommen, konnten wir unseren Augen kaum trauen. Der gleiche Weg, den wir morgens in aller Ruhe entlang gewandert waren, war nun unüberschaubar überfüllt, und es war doch erst 12. Nun gut, wir waren durch, also raus aus dem Chaos und rein in die Pekinger Metro. Am Bahnhof angekommen, unser Gepäck wieder eingeschlossen (das hatten wir tatsächlich die ganze Zeit dabei) und Lisa eingesammelt (sie ist tatsächlich nach dem Morgenapell wieder ins Hotel) haben wir unseren netten Fahrer angerufen, damit er uns zum Sommerpalast bringt. Er hatte allerdings die schöne Idee, dass wir eine Strecke mit der Fähre fahren und er uns für den Rückweg am Haupttor erwartet. Also rauf aufs Boot – und plötzlich rauf auf nächste Boot. Hm? Richtig, das eine Boot wurde als Wartehalle für das nächste, kleinere genutzt! Durch diese Fahrt sind wir auch im Sommerpalast am Hintereingang angekommen; und auch hier ein absoluter Vorteil. Nach einem ganzen Stück Weg und einem Blick auf die Karte, erschien es uns doch als gute Idee, die Mondförmige Halbinsel nicht zweimal abzulaufen, also haben wir eine weitere Fähre richtig Inselspitze genommen um von dort zurück zum Eingang zu laufen. Diesmal war unser Boot allerdings Drachenförmig!
Highlights des Sommerpalasts sind ein Boot, was komplett aus Marmor „im Hafen liegt“, einige kleinere Pagoden und Paläste, ein Tunnel, der zwar offen ist, aber als längstes Kunstwerk der Welt bekannt ist, da er komplett mit kleinen Bildchen verziert ist. Überhaupt zeigt sich der Sommerpalast sehr Farbenfroh und künstlerisch. Nach diesem Tagesprogramm lagen noch eine Stunde Auto- und zwölf Stunden Zugfahrt vor uns. Nachdem schon im Auto eine schläfrige Ruhe herrschte, konnten wir uns alle auf eine ruhige Zugfahrt freuen. Doch dieser Ruhe wurde ein jähes Ende gesetzt, als wir am Bahnhof ankamen und unser Zug nicht dort abfuhr, wo er sollte, also nicht (mehr) angezeigt wurde! Da man eine halbe Stunde vor Abfahrt im Zug sein muss, bzw einchecken muss, dachten wir schon, wie hätten das verpasst, aber nach einigen kurzen und langen Sprints durch die Mengen (samt kompletten Gepäck!!) haben wir es dann doch noch rechtzeitig geschaft und sind in die Kojen gefallen.
Übrigens, Peking, Zug, Metro, Taxi, Klassenzimmer – non stop!